Andreas Helmke: “Hatties Motto: Lehrerzentrierter, aber schülerorientierter und schüleraktivierender Unterricht.”

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Ausgabe zur Hattie-Studie – Lehren & Lernen 07/2013

Der Bildungsforscher Prof. Dr. Andreas Helmke von der Universität Landau hat in den letzten Jahren mit EMU (Evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung) im Auftrag der KMK ein Werkzeug für die Schulpraxis entwickelt, mit dem es möglich ist, Lehrpersonen und Lernende untereinander über den Unterricht ins Gespräch zu bringen, also im Hattie-Sinne “Lernen sichtbar zu machen”.

In der Ausgabe 07/2013 der Zeitschrift “Lehren & Lernen” fasst er nun die Erkenntnisse der Hattie-Studie sowie deren Rezeption in Deutschland aus seiner Sicht zusammen und liefert dabei auch konkrete Hinweise zur Umsetzung im Schulalltag.

Die Essenz der Hattie-Studie

Andreas Helmke fasst die Essenz der Hattie-Studie in fünf Punkten zusammen:

  1. Hatties Botschaft der Evidenzbasierung in der Bildungspolitik
  2. Die Erkenntnis, dass für den Lernerfolg Aspekte der Unterrichtsqualität und der Lehrpersonen wichtiger sind als strukturelle, organisatorische, methodische und finanzielle Aspekte.
  3. Der Hinweis, die Schülerperspektive und Schülerfeedback im Schulalltag stärker zu berücksichtigen.
  4. Die Erkenntnis, dass die erfolgreichsten Unterrichtsszenarien aktive Lehrpersonen vorsehen.
  5. Helmke weist zuletzt auf das verbreitete Missverständnis bei der Rezeption der Hattie-Studie hin, “wonach Unterschiede zwischen Lehrern und Unterricht die Hauptquelle für Unterschiede im Lernerfolg von Schülern seien. Nein, das ist unzutreffend und wurde von Hattie niemals behauptet. Unterschiede zwischen Lehrern sind für ca. 30% der Lernleistungen verantwortlich, Unterschiede zwischen Schülern dagegen für ca. 50%.”

Helmke diskutiert im Verlaufe des Interviews auch Vor- und Nachteile von Meta-Analysen: “Metaanalysen fassen den gesamten empirischen Forschungsstand zu einer Fragestellung übersichtlich zusammen.” (…) “Gelegentlich hört man auch den Vorwurf, bei Metaanalysen würden Äpfel mit Birnen verglichen. Nun, unterschiedliche empirische Studien zu einem bestimmten Merkmal gehen oft von unterschiedlichen Definitionen und Operationalisierungen aus. Dann ist es gerade ein Vorteil der Metaanalyse, verschiedene Studien mit ähnlichen Merkmalen zusammenzufassen, sofern es einen gemeinsamen Kern, also eine Zone konzeptueller Überlappung gibt. Man könnte auch sagen: Wenn ich Aussagen über Obst machen will, dann muss ich Unterschiede zwischen Äpfeln und Birnen ignorieren.”

Was sind die Kriterien für guten Unterricht nach Hattie?

“Intensives Lernen in einem förderlichen Klima, verbunden mit hohen Erwartungen und vielfacher Schüleraktivierung ist prinzipiell in jeder Schulart möglich.”

“Gut im Sinne von Hattie, also lernwirksam, ist ein Unterricht,
(1) in dem den Schülern viel zugetraut, aber auch zugemutet wird,
(2) in dem jeder einzelne Schüler an die Grenzen seines Potenzials geführt wird,
(3) der alle Möglichkeiten nutzt, sich im Austausch mit Kollegen kontinuierlich ein Bild der Lernprozesse der Schüler sowie des eigenen Lehrens zu machen,
(4) der durch strukturierte, effiziente, störungspräventive Klassenführung geeignete Rahmenbedingungen für das Lernen schafft und
(5) der in einem Klima stattfindet, das durch Fürsorge, Respekt, Wertschätzung und Freundlichkeit gekennzeichnet ist.”

Zuguterletzt empfiehlt Andreas Helmke auf dem Weg zur Umsetzung der Hattie-Erkenntnisse im eigenen Unterricht: “Erster Schritt: Erst mal die Hattie-Studie selbst lesen.”

Das gesamte “Interview mit Prof. Dr. Andreas Helmke zur Hattie-Studie – interviewt von Prof. Dr. Volker Reinhardt” erscheint in der Ausgabe 7-2013 der Zeitschrift “Lehren & Lernen – Zeitschrift für Schule und Innovation aus Baden-Württemberg”. Einen Vorabdruck des Interviews können sie auf der Homepage von Andreas Helmke als PDF herunterladen.

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